Datenerfassung

Anwendungsszenario: Datenerfassung

Ausgangssituation

Die Datenerfassung im Einsatz erfolgt primär durch menschliche Wahrnehmung, also durch Augen, Ohren und andere Sinne der Einsatzkräfte. Technische Messgeräte ergänzen diese Wahrnehmung. Beispiele sind unter anderem:

  • Multiwarngeräte / Gasmessgeräte
  • Tachymeter
  • Drohnen
  • weitere spezialisierte Sensorik

Die erfassten Informationen werden anschließend typischerweise mündlich oder fernmündlich weitergegeben. Im Idealfall werden sie zusätzlich auf Papier notiert oder direkt in ein Einsatztagebuch (ETB) übertragen.

Die Datenerfassung findet dabei möglichst nahe am Ereignisort statt. In der Praxis bedeutet dies häufig Arbeiten unter schwierigen Bedingungen, beispielsweise:

  • im Gelände
  • bei Dunkelheit
  • bei Regen, Schnee oder Hitze
  • unter Zeitdruck

Digitale Werkzeuge zur Datenerfassung müssen daher unter realistischen Einsatzbedingungen zuverlässig nutzbar sein. Daher ist es besonders wichtig, das mentale Modell der Helfer vor Ort zu verstehen und eine Software genau daran anzupassen – und nicht den Helfer umständlich auf eine Software zu schulen.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die mögliche Abwesenheit von Netzverbindungen. Die Datenerfassung muss daher auch ohne Netzanbindung funktionieren. Details hierzu werden im Artikel Netzausfall beschrieben.

Geeignete Endgeräte für die Datenerfassung

Das Endgerät, das dem Anwendungsszenario und dem mentalen Modell der Einsatzkräfte derzeit am ehesten entspricht, ist ein Smartphone.

Kein anderes derzeit verbreitetes Gerät ist ähnlich gut geeignet, um vor Ort unterschiedliche Datentypen zu erfassen, beispielsweise:

  • Fotos
  • Videos
  • Sprache
  • Text
  • Positionsdaten

Für den Einsatz von Smartphones sprechen mehrere Faktoren:

  • Die meisten Einsatzkräfte können Smartphones intuitiv bedienen.
  • Smartphones verfügen über zahlreiche integrierte Sensoren (Kamera, Mikrofon, GPS, Beschleunigungssensoren u. a.).
  • Smartphones sind klein, leicht und können problemlos im MEA mitgeführt werden.
  • Die von Smartphones ausgehenden Gefahren entsprechen grundsätzlich denen anderer akkubetriebener Geräte.

Derzeit besteht in vielen Bereichen noch ein Verbot, private Smartphones im Einsatz zu verwenden. Diese organisatorische Frage ist jedoch nicht Teil der technischen Betrachtung.

Zukünftig ist davon auszugehen, dass dienstliche Smartphones für Teileinheiten bereitgestellt werden. Für dieses Konzept wird daher angenommen, dass im Einsatz dienstliche Smartphones verfügbar sind.

Anforderungen an die Interaktion

Die Datenerfassung im Einsatz erfolgt häufig unter Zeitdruck und unter ungünstigen Umgebungsbedingungen.

Die Bedienung der Software muss daher möglichst einfach und schnell sein. Insbesondere sind folgende Anforderungen zu berücksichtigen:

  • möglichst geringe Anzahl notwendiger Eingaben
  • kurze Interaktionszeiten
  • große Bedienelemente
  • Bedienbarkeit mit einer Hand
  • Bedienbarkeit mit Handschuhen

Komplexe Eingabedialoge oder mehrstufige Menüs sind im Einsatz problematisch und sollten vermieden werden.

Strukturierte und unstrukturierte Daten

Im Einsatz entstehen sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Daten.

Strukturierte Daten sind beispielsweise:

  • Messwerte
  • Schadensmeldungen
  • Statusmeldungen
  • Lageinformationen

Unstrukturierte Daten entstehen typischerweise durch Sensoren oder Medienaufnahmen, beispielsweise:

  • Fotos
  • Videos
  • Sprachaufnahmen

Moderne Smartphones erzeugen bei vielen dieser Daten automatisch Metadaten. Ein Beispiel hierfür sind EXIF-Daten bei Fotos, die unter anderem Informationen zu Zeitpunkt, Standort und Kameraparametern enthalten.

Die Einsatzsoftware sollte daher sowohl strukturierte Daten als auch unstrukturierte Daten erfassen, speichern und miteinander verknüpfen können.

Schlussfolgerung für die Systemarchitektur

Aus den genannten Rahmenbedingungen ergibt sich folgende Priorisierung der Plattformen zur Datenerfassung:

Primäre Plattform

  • Smartphone im Einsatzraum

Sekundäre Plattformen

  1. Arbeitsplatz im Zugtrupp (z. B. ZT, Log, FK) für Daten des eigenen Bereichs
  2. Arbeitsplatz im Führungsfahrzeug oder in einer Führungsstelle für Daten des eigenen Bereichs, die nicht aus dem Zugtrupp stammen
  3. weitere Arbeitsplätze vor Ort im Einsatz

Anforderungen an die Software

Die konkrete technische Ausstattung des Smartphones darf für die Software keine Voraussetzung darstellen.

Die Anwendung muss daher auf möglichst vielen handelsüblichen Smartphones lauffähig sein.

Spezielle Geräteklassen (z. B. “ruggedized” Smartphones) können im Einsatz sinnvoll sein, sind jedoch eine Frage der Hardwarebeschaffung und nicht der Softwarearchitektur.